
In letzter Zeit häufen sich in den sozialen Medien meiner Wahrnehmung nach Aussagen wie diese und ich merke, dass sie mich triggern und dass ich zeitweise sogar
wütend darüber werde:
„Wenn du dich selbst genug lieben würdest, dann hättest du längst den richtigen Partner.“
„Alles in deinem Leben ist ein Spiegel deiner Selbstliebe.“
Ich glaube, dass das „Ding“ mit der Selbstliebe nicht so einfach zu pauschalieren ist und dass es, wissentlich oder unwissentlich, gerne unter einem
spirituellen Deckmantel verwendet wird.
„Du liebst dich nur noch nicht genug, ansonsten…..“. Für mich baut so ein Satz Druck auf, dass ich noch immer zu wenig tue, um in meinem Leben glücklich zu sein.

Diese „Wenn-Dann“-Aussagen setzen voraus, dass Selbstliebe eine Art magischer Schalter ist: Sobald du dich genug liebst, öffnet sich das Tor zum
perfekten Leben. Für mich funktioniert das so nicht.
Selbstliebe bedeutet nicht, dass ich ein makelloses Leben lebe.
Sie bedeutet, dass ich auch dann liebevoll und achtsam mit mir bleibe, wenn es nicht so läuft, wie ich es gerne hätte.
Ich mag mich. Ich sorge gut für mich, gerade dann, wenn ich traurig, verzweifelt, besorgt, frustriert oder enttäuscht bin.
Ich gehe seit Jahren meinen Weg, bewusst und mit offenen Augen und schaue mir meine offensichtlichen Themen oder Konflikte an.
Ich lerne aus meinen Erfahrungen und setze sie um, so gut es mir im Moment möglich ist. Und trotzdem ist mein Leben nicht perfekt.

Ich glaube auch, dass viele Menschen diesen Satz verwenden, ohne sich darüber klar zu sein, was er eigentlich aussagen soll.
Für mich ist „nicht genug Selbstliebe“ kein messbarer Zustand. Es gibt ja kein Barometer, das sagt: „Oops, heute nur 56 % Selbstliebe, das reicht aber nicht!“
Selbstliebe bedeutet nicht, dass immer alles da ist….
Nicht alles, was ich mir wünsche, bleibt aus, weil ich „noch nicht genug bin“.
Manchmal dauert es einfach. Manchmal hat das Leben andere Pläne.
Und manchmal gibt es keinen tieferen Grund – außer, dass es gerade so ist.
Aber das heißt nicht, dass mit mir etwas nicht stimmt. Oder mit dir.

Und wenn ich das nächste Mal eine Frage lese oder höre, ob ich mich genug liebe, dann weiß ich: Ich liebe mich genug, um die Frage einfach so stehen zu lassen.
Herzlichst,
Andrea
PS: Vielleicht fragst du dich, woran du erkennen kannst, wenn du aus der Selbstliebe fällst? Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht – und im nächsten Beitrag
teile ich mit ganz viel Verständnis ein paar Hinweise, die ich selbst nur zu gut kenne.