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Affirmationen: Hilfreich oder Selbsttäuschung?

Affirmationen: Hilfreich oder Selbsttäuschung?

Wenn ich es oft genug sage.....wird es dann wahr?

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an meinen ersten Kontakt mit Affirmationen. Das war vor ungefähr zehn Jahren. Ich war in einer Phase, in der ich offen war für alles, was nach Entwicklung und Transformation klang.

Bei einem Seminar für Bewusstseinsentwicklung freundete ich mich mit einer spirituellen Beraterin an. In einem privaten Gespräch meinte sie eines Tages zu mir, dass ich da wohl ein „Ding“ mit meiner Selbstliebe hätte – sprich, diese würde mir fehlen.

Sie empfahl mir, mich jeden Tag vor den Spiegel zu stellen (am besten noch nackig, damit der innere Schampegel sich auch richtig nach oben drehen kann), mir in die Augen zu schauen und zu sagen: „Ich liebe mich“.

Dann würde das schon klappen, wenn ich es mir lange genug erzähle, meinte sie.

Gesagt, getan, ich war ja neugierig und probierte es am nächsten Tag aus. Was soll ich sagen? Ich fühlte mich beschämt und frustriert, während ich „ich liebe mich“ in den Spiegel hauchte.

„Wtf – was mache ich hier bloß?“

Geduldig wie ich bin, wollte ich meiner Selbstliebe noch eine Chance geben und probierte es ein paar Tage hintereinander. Aber es kostete mich jedes Mal Überwindung, mir selbst zu sagen, dass ich mich liebe.

Warum?

Es hat sich gekünstelt angefühlt, wie wenn ich mich dazu überreden müsste, mir das endlich zu glauben. Ich habe diese Liebe nicht gespürt und gemerkt, dass ich mich selber nicht austricksen kann.

Der Reiz „schöner“ Sätze

Du findest heutzutage überall Affirmationen. In den sozialen Medien, in Morgenroutinen, in Podcasts, in bunten Notizbüchern mit Goldrand. 

Sobald Du in der Früh mit Deinem Handy online gehst, wirst Du überschwemmt mit fröhlichen, wunderschönen, positiven Sätzen, die Dir den Einstieg in Deinen Tag versüßen wollen. Ich verstehe total, warum das so attraktiv ist.

Sie versprechen das, was Du Dir tief drinnen wünschst: Mehr Ruhe, mehr Selbstwert, mehr Leichtigkeit, mehr Erfolg, Fülle … die Liste ist endlos. Es klingt nach einem sanften Weg und nach etwas, das leicht über die Lippen geht und schmerzlos ist.

Das macht Affirmationen so verführerisch und gerade bei Themen wie Selbstliebe wirken sie besonders verlockend. 

Einmal kurz den Tag aufhübschen, bitte.

Was Affirmationen ursprünglich bewirken sollen

Der eigentliche Sinn von Affirmationen ist nicht, sich etwas einzureden, das man gerade überhaupt nicht fühlt, sondern den inneren Fokus zu verschieben. Sie sollen helfen, festgefahrene Selbstzweifel, Stress oder negative Denkmuster zu unterbrechen und einen Gedanken zu stärken, der Dich handlungsfähiger macht.

Die Erwartung dahinter

Im Kern ist die Hoffnung ziemlich einfach. Tägliche Wiederholungen sollen in mir „etwas“ verändern. Ein Satz soll mich anders fühlen lassen oder den inneren Druck wegzaubern.

Wer will schon ständig in Selbstzweifeln festhängen? Oder sich jeden Morgen mit der eigenen inneren Stimme auseinandersetzen, wenn es einen wundersamen Satz gibt, der meine Stimmung sofort aufhellt. 

  • „Ich bin total im Einklang mit mir.“
  • „Ich strahle von innen.“
  • „Ich bin voller Selbstvertrauen.“
  • „Ich liebe mich bedingungslos.“

Hach, wenn´s bloß so einfach wäre. ☺️

Zwangsoptimismus oder echte Bewegung?

Gehen wir mal direkt rein. Du sagst Dir – zum Beispiel –  einen Affirmationssatz wie „Ich glaube an mich selbst“ und in Dir passiert – nichts, oder? 

Du merkst unmittelbar, dass dieser vorgesagte Satz innerlich nicht ankommt. Dass Du in keinster Weise an Dich glaubst. Im Gegenteil, Deine Zweifel werden in dem Moment stärker und stärker.  

An dieser Stelle zeigt sich nämlich, ob der Satz eine Aussagekraft hat, die mit Dir übereinstimmt, oder ob er nur gut formuliert ist.

Ein hübscher Satz ist noch lange keine innere Wahrheit.

Positive Affirmationen vs. Skeptische Gedanken

Warum das Nervensystem mitredet

Dein Körperempfinden ist ehrlicher (und schneller) als Dein Kopf. Darum konnte ich mir damals vor dem Spiegel auch nicht einreden, wie sehr ich mich liebe. 😉

Dein Körper merkt ziemlich schnell, ob ein Satz nach Wahrheit klingt oder nach einem Konzept, wie es sein soll. Ob Du gerade in Kontakt mit Dir bist oder nur versuchst, Dich zu überreden.

Aber wie fühlt es sich an, wenn es stimmig ist?

Die Anspannung lässt nach. Du atmest tief durch. Dich durchläuft ein innerer Schauer. Du empfindest ein leichtes, wohlwollendes Gefühl in der Brust oder im Bauch. Dein Gesicht entspannt sich, vielleicht lächelst Du sogar. Oder da ist einfach nur Wärme oder Klarheit in Dir.

Aus diesem Grund laufen viele Affirmationen ins Leere. Dein Inneres kann nicht mitgehen, wenn der Satz zu weit entfernt von dem ist, was wirklich in Dir los ist.

Was mich an diesen positiven Sätzen mittlerweile stört

Es gibt Affirmationen, die klingen wie aus einem Lifestyle-Magazin und sind meilenweit weg von dem, was Du gerade wirklich empfindest. 

Neulich las ich in den sozialen Medien ein morgendliches Posting einer Achtsamkeitsgruppe, die dazu aufgefordert hat, den Tag mit „Ich bin in Frieden mit mir selbst“ und noch ungefähr zehn weiteren Affirmationen zu beginnen.

Da frage ich mich – was soll das bewirken? Hat das noch mit Achtsamkeit zu tun?

Für mich ist das eine glatte Selbstlüge, die ich mir erzählen würde, auch wenn sie als positive Affirmation verpackt ist.

Stell Dir mal eine Alltagsrealität vor. Dein Tag ist durchgetaktet mit Terminen und Du wirst wieder kaum Zeit haben, schnell aufs Klo zu huschen. In solchen Momenten brauchst Du keinen Satz, der alles schönredet. Du brauchst eher einen, der Dich dort abholt, wo Du gerade stehst.

„Ja, ich bin total gestresst und genervt und das darf jetzt einfach mal sein.“

Erst dann kann sich eine Richtung entwickeln, die wirklich eine Veränderung in Gang setzt oder Dir Erleichterung schenkt.

Der Wunsch nach Erleichterung

Wenn man genauer hinschaut, geht es bei Affirmationen gar nicht um den Satz selbst, sondern um das, was er Dir schenken soll.

Du hoffst dabei auf innere Ruhe, weniger Selbstzweifel, Trost, Leichtigkeit, Kraft (die endlich Deine Erschöpfung auflösen soll).

Das ist nachvollziehbar in dieser schnelllebigen Zeit. Nur glaube ich, dass es so nicht funktioniert. 

Die Abkürzung, die verlockend wirkt

Sich den eigentlichen Themen zu stellen, ist meistens anstrengender. Da geht es plötzlich um alte Verletzungen, um Unsicherheit, um Verhaltensmuster- um Dinge, die sich nicht mit Glitzer überdecken lassen. 

Eine Affirmation, besonders die aus den sozialen Medien, wirkt auf mich wie eine dezente Abkürzung, um sich nicht mit den (nach wie vor vorhandenen) inneren Blockaden oder Glaubenssätzen auseinanderzusetzen.

Deshalb:

Ein Satz kann Dir nicht das geben, was Du gerade nicht fühlst.

Er kann keine Zweifel auflösen, die einen Ursprung haben.
Er kann keine alten Glaubensmuster einfach überschreiben.
Er kann kein Gefühl erzeugen, das gerade nicht da ist.

Im Gegenteil: Er kann Deinen inneren Zwiespalt verstärken. 

Was wirklich hilft

Für mich sind Affirmationen mittlerweile Zeit- und Energieverschwendung, zumindest dann, wenn ich sie benutze, um eine künstliche Realität zu erzeugen. 

Ich habe es mir angewöhnt, meine Zeit sinnvoll zu nutzen und mir meine Themen gleich anzuschauen

Ich gehe in meiner inneren Arbeit direkt an die Wurzel dessen, was es ist. Zum Beispiel, dass ich gerade nicht an mich glaube. Denn da kann ich erkennen, was es ist, das mich zurückhält, welche Gedanken schon ewig in mir laufen oder welche alten Glaubenssätze mein Gedankenmuster aufrechterhalten.

Das ist nicht immer angenehm, aber es ist ehrlich mir gegenüber. Dieses Ehrlich-mit-mir-sein bringt mich weiter, als jeder Satz, der sich zwar toll anhört, aber mich nicht berührt.

Frau, die sehnsuchtsvoll aufs Meer blickt

Mein Leben ist mir zu wertvoll, um mich mit halben Sachen zufrieden zu geben. Für mich war klar, dass ich so nicht weitermachen will.

Wie ist es mit Dir?

Hast Du auch keine Lust mehr, Deine Zeit mit „positive vibes only“ zu verplempern?

Hier erfährst Du mehr über meine Begleitung.

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